Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler ließ in unvorsichtiger Weise die Katze aus dem Sack

Dr. Hans Jennes (08.06.10)

Euphorisch nach seinem Besuch bei der Truppe in Afghanistan ließ sich Horst Köhler noch auf dem Rückflug in einem Rundfunkinterview zu folgender Äußerung hinreißen:

„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängig­keit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswe­ge, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicher­heit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Ar­beitsplätze und Einkommen. All das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“1

Missverständlich ausgedrückt? So klar wurden deutsche imperiale Ziele von einem offiziellen Vertreter dieses Staates schon lange nicht mehr benannt. Kein Wunder, dass sein politisches Umfeld sich verschämt und ertappt fühlend wegduckte. Nach dem Motto: „Mensch, Horst, musstest Du denn unsere wahren Beweggründe für die Auslandseinsätze der Bundeswehr so klar benennen, hättest Du es doch besser bei unseren vorgeschobenen Absichten, wie Freiheit, Menschenwürde, Rechte der Frauen, Abschaffung der Burka usw. belassen. Dafür kann man ggf. noch Unterstützung bei der Bevölkerung finden.“

Die Berichterstattung in den Medien - unmittelbar vor und nach seinem Rücktritt - über seinen Besuch in Afghanistan deuten darauf hin, dass sich Köhler und kriegsgeile Bundeswehrkommandeure gegenseitig in eine Kriegseuphorie hoch geschaukelt haben, die Köhler zu dieser Unvorsichtigkeit verleitet hat, die Wahrheit zu sagen. Die Stimmung bei der Truppe hielt er für Volkes Stimme.


1Entnommen der Frankfurter Rundschau vom 01. Juni 2006, S. 3